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Einige kompakte Digicams in der Hellfeld-Durchlicht-Mikrofotografie.
geschrieben von: Guy Marson
Datum: 07/04/05 11:48

Meine Coolpix 995 liefert bloss bei schwachen Vergrößerungen und hohen Kontrasten +/- saubere Bilder. Für die Publikation von Bildern mit der optischen Kombination von x1250 (x100 Öl, x1,25 Zeichentubus, 10er Okular im Trino-Tubus) reicht diese Digicam aber nicht, da schon ab mittlerer Brennweite störende Ringartefakte auftreten. So nahm ich mir vor c. einem Jahr vor, alle möglichen aber potenziell guten Digicams zu testen. Durch eine Reihe von Bildern kann man relativ leicht ermitteln ob der Strahlengang sauber und gepflegt ist oder ob zumindest das vorliegende Exemplar zu viele Fehler in der Optik hat, was auf ungepflegte Produktion schliessen lässt und das Exemplar, das Modell und oft sogar die Marke - nach meiner Auffassung - ausschließt.
Über das Thema wurde nicht nur hier schon sehr viel geschrieben. Es kann meist bloss spekuliert werden, unter welchen Umständen, mit welchem Material und mit welcher Technik die guten oder schlechten Bilder diverser Autoren entstanden sind. Sicher sind oft Einstellfehler Ursache von misslungenen Bildern.
Dieses soll und kann keine Gebrauchsanweisung für Mikrofotografie mit Digicams sein. Jede(r) Besitzer(in) einer kompakten Digicam welche(r) diese für Mikrofotografie "zweckentfremdet", muss selbst rausfinden, wie er/sie diese einsetzt und wozu die Bilder verwendet werden sollen. In einer wissenschaftlichen Publikation machen sogar qualitativ schlechte Fotos Interpretationen möglich, die völlig ohne Fotos, Bilder oder Zeichnungen nicht möglich wären. Sehr empfehlenswert ist allemal die Lektüre der "c´t spezial, Digitale Fotografie (02/05)".

!!! Dieser Test zielt ausschliesslich auf die saubere Darstellbarkeit von Objekten (hyaline Pilzzellen, hyaline Sporen, etc..) bei stärkster Vergrösserung und sehr geringem Kontrast ab, und das ausschliesslich in der Hellfeld-Durchlicht-Mikroskopie!!!

Achtung:
- Hohe Kontraste des Objekts gaukeln oft gute Qualität der Digicam-Optik vor.
- Bei weniger starken Vergrösserungen UND hohen Kontrasten sind viele der getesteten Exemplare gut geeignet.
- Ringe (etc.) übersieht man leicht. Sie zeigen sich meist erst bei nachträglicher Kontrasterhöhung.
- Jeder muss für sich entscheiden, was er mit seiner Digicam ablichten will.
- Für Bilder durch die Stereolupe sind fast alle Exemplarediverser Marken und Modelle geeignet.
- Die bei den Testexemplaren vorgefundenen Fehler sind bei "normaler Fotografie" meist nicht sichtbar/nachvollziehbar.
- Besonders lichtstarke Modelle sind im Sinne des Tests, aus unterschiedlichen Gründen weniger oder ungeeignet.
- entgegen der Aussage in Editorial der Zeitschrift "c´t spezial, Digitale Fotografie (02/05)" kommt es hier nicht massgebend auf das Können des Fotografen an, sondern auf gute Optik, besonders auf ein sauberes, technich gutes Objektiv der kompakten Digicams.

Die folgende Liste soll aufzeigen, was bei den diversen Tests rauskam und ggf. Nachahmer mit meiner Vorgehensweise vertraut machen. Es gibt, bedingt durch die vielen Herstellungsstufen einer Digicam, meist eine +/- starke Streuung innerhalb der Modelle. Jeder sollte vor dem Kauf - selbst eines im Prinzip guten Modells - das ihm angebotene Exemplar, ob noch originalverpackt oder nicht, zuerst testen, bevor es gekauft wird. Es gibt immer positive oder negative Ausreisser, alles reiner Zufall!
Streuung gibt es auch innerhalb der Marken, die wahrscheinlich nicht immer alles selbst produzieren was unter deren Namen über die Theken geht.
Eigens für die Tests hab ich aus Rohren und Standard-Optik ein sogenanntes Behelfsmikroskop gebastelt, damit alle Tests unter ähnlichen Bedingungen vor Ort, meist also im Laden, durgeführt werden konnten. Standardwerte wurden beim Behelfsmikroskop berücksichtigt (Endlich-System, 160 mm Baulänge, 45 mm Baulänge des x100 Objektivs (Zeiss, Plan - 461910-9902), Leitz-Periplan Okular (x10/18mm Brillenträger - 19750). Kritische Beleuchtung mit LEDs und Diffusor vor dem Objektiv sorgten für ein helles aber gleichmässig ausgeleuchtetes Bild. Das Behelfsmikroskop sieht etwas abenteuerlich aus und verschiedene Verkäufer wollten mich erst nach Prüfung des Innenlebens testen lassen. Notlügen wie "tolles Gerät", "sehr gute Optik" trafen nicht immer zu ;-), stimmten die Verkäufer aber meist kooperativ. Einige Prüflinge waren derart gut oder schlecht, dass ich ab und zu in einem anderen Laden ein weiteres Exemplar testete, um der Streuung beizukommen. Bei manchen teuren Modellen haben die Verkäufer/Vertreter selbst die Bilder machen wollen, was dann nicht immer zu guten, vergleichbaren Resultaten führte. Leider hab ich zu Anfang des Tests keine Bilder auf meine eigenen Speichermedien abgespeichert, sondern mir bloss (Vor-)Urteile gebildet, und nun können diese Erinnerungen (etwa 10-15 Modelle) nicht berücksichtigt werden.
Zu den Digicams selbst ist zu sagen, dass mir oft Exemplare aus den Auslagen der Geschäfte gegeben wurden, welche meist an der Diebstahlsicherung verblieben. Es war mir also meist nicht möglich, lange Testserien durchzuziehen, ohne potentielle Käufer zu stören. Alles ging dann recht schnell über die Bühne, dadurch macht man sich wahrscheinlich nicht allzu unbeliebt in den Geschäften :-/. Anfangs machte ich bloss Durchlicht-Hellfeld-Versuchsreihen, inzwischen prüfe ich auch die Tauglichkeit der Digicams im Makrobereich (was hier aber nicht bewertet wird), mit und ohne zwischengeschaltete Zusatzoptik (x10 Horizon-Lupe). Die benötigte Stromversorgung (Akkus/Netzteile) wurde mir in den Geschäften zur Verfügung gestellt, die diversen Bildspeicher-Karten hab ich mir mit der Zeit alle selbst angeschafft.
Die Bilder wurden vorzugsweise bei abgeschaltetem Autofokus (Einstellung auf Unendlich) und mittenbetonter Belichtungsmessung/Spot, ohne Vor- und Nachkorrekturen gemacht. Möglichst eines (lieber aber mehrere) im maximalen Weitwinkel (mWW), mehrere im mittleren Brennweitenbereich, bis hin zur maximalen Tele-Brennweite (mT). In Strahlengang befand sich nichts ausser Luft und einem meist mässig verstaubten Messplättchen im Leitz-Periplan-Okular. Dieses Messplättchen hab ich seit Dezember 2004 auch entfernt, da man schneller Rückschlüsse auf die Qualität der reinen Kamera-Optik ziehen kann, wenn keine staubbelastete virtuelle Bildebene scharf abgebildet wird.
Eine einfache aber sehr wirksame Methode zur Ermittlung, ob der Staub sich im kamerainternen Strahlengang befindet (auf Linsen oder IR-Sperrfilter) oder in der vorgeschalteten Optik (Objektiv, Okular etc..), ist die: Man drehe die Kamera gegenüber dem Mikroskop um c. 1/3-Kreis und mache eine weitere Aufnahme. Wenn die Staubpartikel nun unverändert liegenbleiben, sind sie in der kamerainternen Optik angesiedelt und meist nicht zu beseitigen!!
Allgemein kann man sagen, dass viele der getesteten Kameras im mWW ein scheinbar sauberes aber vignettiertes Bild machen. Einige Modelle machen aber auch bei mWW schon Ringe. Im mittleren Brennweitenbereich tendieren viele der Kameras zu sichtbaren Ringen und bei mT sind nur noch wenige ringfrei. Die Ausnahme: Die neueren Coolpix Modelle - im Gegenteil zur alten Coolpix (950, 990, 995, 4500)-Reihe - machen Ringe im mWW und sind relativ ringfrei bei mT. Staubpartikel oder Trockenflecken(?) zeigen die meisten der getesteten Modelle bei irgendeiner Brennweite irgendwo im Strahlengang und mir bleibt der Eindruck, dass besonders viele IR-Sperrfilter staubbelastet sind. Das erkennt man daran, dass die in den Bildern sichtbaren Staubpartikel ihre Lage und Schärfe trotz verschiedener Brennweiten nur wenig verändern.
Generell kann ich bloss abraten, ein nicht getestetes Exemplar - egal welcher Marke und welchen Modells - für Hellfeld-Durchlicht-Mikrofotografie zu erstehen.
Sicher hätte man noch dieses oder jenes testen können/sollen/müssen, aber anfangs haben die Ideen und der Durchblick gefehlt, und nun fehlt die Lust, nochmal von vorne zu beginnen. Zudem ist die Halbwertszeit der Digicam-Modelle bei weniger als 5 Monaten angekommen, mit rasch abnehmender Tendenz.. Hoch lebe die aufkommende digitale SLR-Technik :-)).

Liste der auf Probleme im Strahlengang (Staubpartikel, Ringphänomene etc.) getesteten Modelle.

Bislang hab ich etwa 70 kompakte Digicam-Modelle getestet, einige davon mehrfach (n=X). 57 davon hab ich dokumentiert und bloss diese sind hier in der Liste erwähnt.
Die anschliessende Bewertung ist sehr subjektiv und abhängig ausschliesslich vom ausgehändigten, getesteten Exemplar. Es ist vergleichbar mit dem Fingerabdruck des jeweiligen Exemplars, nicht des Modells. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie Eigentümer eines Modells sind, und Ihr Exemplar sich von der Liste abweichend verhält. Die Bewertung "(1)" konnte guten Gewissens an keine kompakte Digicam vergeben werden und selbst eine "(2)" hat sicher nicht jedes Modell verdient, von dem ich bloss ein einziges Exemplar testen konnte.

(1) = keine Artefakte, weder Ringe, noch Staub, noch sonst was zu bemängeln.
(2) = keine Ringe aber einige Staubpartikel/Trockenflecken etc.. auf Linsen und/oder IR-Sperrfilter.
(3) = macht bloss mässig Ringe.
(4) = macht kräftig Ringe (irgendwo, zwischen mWW und mT).
(5) = Objektiv vignettiert zu sehr (und macht ggf. auch Ringe im Telebereich), braucht speziellen Adapter.
(6) = Vignettiert, macht starke Ringe, hat zuviel Staub/Trockenflecken (etc..) im internen Strahlengang, unbrauchbar für diesen Zweck.

Marken und Modelle:

Canon:
A 510 (n=2) (2)
A 520 (n=2) (2)
A 95 (n=2) (2)
Ixus i-5 (5)
Ixus 700 (2)
G 6 (4)
P 5 (Daten verloren)
Pro1 (3)+(5)
S 60 (n=2) (2)
S 70 (n=7) (2)

Casio:
QV 4000 (3)
QV 5700 (n=2) (3)
S 100 (2)
P 600 (4)
P 700 (4)
EX-Z57 (2-3)

Fuji:
E 550 (4)
E S 5500 (2)
FinePix F 455 (2)

Hewlett-Packard:
R 707 (4)

Kodak:
DX 7440 (3)
DX 7590 (3)+(5)

Leica:
D-Lux (Name unbekannt) (4)
Digilux 2 (n=2) (5)+(6)

Maginon: (genaue Bezeichnungen der Maginon-Modelle sind mir entwischt, die Metadaten zeigten aber die folgenden Bezeichnungen)
DS 5340 (2)
5MP-9M2 (3)

Minolta:
A1 (5)+(6)
Dim. F100 (6)
G 530 (4)

Nikon: (C = Coolpix)
C 995 (n=3) (4)
C 4200 (n=2) (2-3)
C 4500 (n=7) (4)
C 4600 (n=2) (3)
C 4800 (n=2) (4)
C 5000 (4)
C 5200 (2)
C 5400 (4)+(5)
C 7900 (2)
C 8080 (3)

Olympus:
5060 (4)
8080 (4)
C 70 (4)

Panasonic:
FX 7 (6)
FZ 20 (keine Aussage möglich)
FZ 3 (4)
LZ 1 (4)+(5)

Pentax:
Optio 750 Z (n=5) (3)+(5)
Optio S50 (2)
OptioX (4)
Optio-SV (3)

Ricoh:
Caplio R1V (n=2) (3)+(5)
Caplio RZ1 (3)

Samsung:
Digimax A6 (6)
Digimax V700 (3)

Sony
T3 (2)
V3 (3)
P 200 (3)

..........................

Besten Dank an H.O. Baral für die vielen angeregten Diskussionen die zu diesem Test führten. Danken möchte ich hiermit allen hilfsbereiten und netten Verkäufer(inne)n, die mich meist sehr unterstützten.

Achtung: Testen Sie Ihr Exemplar, BEVOR Sie die Digicam ihrer Wahl kaufen. Salopp gesagt: "Gute Marken" bieten oft den schlimmsten Schrott zu überteuerten Preisen an, und so manche billige Kompakte ist für obige Zwecke gut geeignet. Mikroskopiker haben keine Lobby bei den Herstellern der Digicams.


Ciao,


Guy

PS: Mir gefiel die Canon PS S70 am besten für obigen Zweck, aber ansonsten ist das Modell eine Krücke mit einigen unangenehmen Eigenschaften und in den Details nicht ausgereift. Das Objektiv und der Strahlengang sind aber vorbildlich, abgesehen von Staub auf dem IR-Sperrfilter. Aus dem Grunde sollte auch kein Exemplar dieses Modells blindlings gekauft werden.



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